Ostergruß 2021 Pfeffingen & Burgfelden

Liebe Pfeffinger und Burgfelden,

in diesen Tagen beginnt die Karwoche zum Abschluss der Fastenzeit. Die Fröhlichkeit wird seit dem Aschermittwoch in Grenzen gehalten, bis der Ostersonntag die Lebensfreude wieder erwachen lässt. Dazwischen ist eine lange Zeit der Enthaltsamkeit, die in diesem wie im letzten Jahr eine zusätzliche Verschärfung durch die von der Pandemie erzwungenen Einschränkungen erfahren hat. Im Geist und im Herzen allein dürfen wir uns freuen, da Begegnungen und Familientreffen drastisch begrenzt sind.

Für viele gab und gibt es ganz reale Sorgen um den Beruf, die Gesundheit und den Zusammenhalt in der Familie, dazu kommt für manche noch die Ungeduld und das Unverständnis über Maßnahmen und deren Hin und Her, aber auch unbefriedigende Fortschritte bei Impfungen und Testungen. Man könnte viel aufzählen, doch ob andere (oder man selbst) das besser machen könnten, ist eher fraglich.

Passionserzählungen und Ostergeschichten sprechen auch von der Ungeduld, und andere von der Mutlosigkeit oder sogar Verzweiflung. Das ist wohl eine Grundkonstante von uns Menschen, wir hätten gerne vieles anders: freier und ungebundener, günstiger und nachhaltiger, globaler und regionaler, gerechter und selbstverantwortlicher. Zugleich merken wir: das schließt sich häufig aus und wir verstricken uns oft in Widersprüche.

Wo bleibt da die Hoffnung? Gibt es die große Story für unsere Welt? Auch mit und nach der Pandemie? Bei den großen und kleinen Herausforderungen?

Ich komme mir manchmal vor wie die zwei Jünger von Emmaus, unterwegs nach nirgendwo, ohne Orientierung, verhaftet in dem was war und nicht mehr ist oder sein wird (Lukas 24, 13-35). Gibt es noch einen hellen Morgen mit dem strahlenden Licht einer neuen Zukunft?

Gerade dann, in der Verzweiflung des Lebens, geschieht das Unerwartete: Jesus läuft an ihrer Seite, nicht gleich erkennbar und doch ganz gegenwärtig. Durch seine Worte und sein Handeln gibt er sich ihnen zu erkennen. Und das Wort „Brannte nicht unser Herz“ zeigt ihnen den neuen Weg mitten in ihrer Frustration und auch Resignation.

Diese Erscheinung seiner Lebendigkeit auf unserem Lebensweg ist im christlichen Glauben zentral. Wenn wir wie die Emmaus-Jünger den Auferstandenen in unser Leben einlassen, werden wir erkennen, dass er uns neue Horizonte eröffnet. Die Schuppen werden uns von den Augen fallen und wir werden die Perspektive der Hoffnung einnehmen können, selbst in der Finsternis der Corona-Nacht, selbst in der Dunkelheit unserer zerbrechlichen Lebenssituation.

Nichts geht verloren, wenn Jesus mit uns läuft. Er ist das Sinnbild des neuen Morgens.
Sein Leben, welches stärker als der Tod ist, seine Worte und seine Treue in der Liebe für jeden/jede von uns lässt auch unsere Herzen brennen, für Gott, für den Nächsten, für mich selber.

Nichts und niemand vermag den Christen, ja der Menschheit, diese Osterfreude rauben. Nicht einmal die Pandemie kann es. Die dunkle Zeit der Corona-Herrschaft wird ein Ende haben, die Freude des Lebens am Ostermorgen wird bleiben. Die Finsternis der Seuche muss vor dem Leben weichen. Nicht wie ein Zauber wird es verschwinden. Wir müssen wohl was tun: Vorsichtsmaßnahmen, Tests, Impfungen und mit Verstand handeln und begegnen, vorsichtig sein aber nicht ängstlich, dafür verantwortungsvoll und konsequent.

Schließlich mögen wir gerade in der Zeit der Prüfungen Vertrauen auf Gottes Mitgehen haben. Der Gang des Volkes Israels durch die Wüste endet im gelobten Land. Die Jahre des Exils nach Babylon münden in die Rückkehr nach Jerusalem. Die Mutlosigkeit und die Flucht der Jünger nach Emmaus müssen weichen; die Begegnung mit dem Auferstandenen lässt sie in ihrem neu gewonnenen Leben auch neue Wege gehen und nicht verzweifelt am Alten und Gewohnten festhalten.

Es kommt eine Zeit, und sie ist nicht mehr weit, dass wir uns wieder umarmen und miteinander feiern und lachen werden. Bis dahin werden wir noch mit Vertrauen und der Osterfreude standhalten.
Wie oft hat Jesus uns gesagt: „Fürchtet euch nicht“! Er bekräftigt die Zusage mit seinen letzten Worten nach der Auferstehung in Matthäus 28, 20:

„Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Daher wünschen die Kirchengemeinderäte und ich Ihnen allen auch in diesen besonderen Zeiten:

FROHE OSTERN

Informationsplattform für Osteraktionen in Albstadt

www.ogy.de/Ostertipp

Internationale Wochen gegen Rassismus 18.-28 März 2021

 

Seit 1961 gibt es den Internationalen Tag gegen Rassismus, der um den 21. März eines Jahres begangen wird, um sich mit den Gegnern und Opfern von Rassismus zu solidarisieren.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus sind daraus hervorgegangen, um zu sensibilisieren und deutlich zu machen, wo Rassismus, oft unbewusst, auftaucht und mitten unter uns sich (wieder) breit macht. An Hautfarbe, Herkunftsland , Kultur oder auch Religion lassen sich Benachteiligung, Ausgrenzung und immer öfters auch Gewalt festmachen, doch letztlich ist es oft die Unsicherheit dem Fremden und Unbekannten gegenüber.

Anaëlle Koschnike-Nguewo war vor ein paar Jahren schon in Pfeffingen anlässlich des Weltgebetstags. Damals war ihr Herkunftsland Kamerun Thema. Ihre eigenen Erlebnisse und Sichtweise zum Thema Rassismus hat sie unter anderem in 2 Gedichten veröffentlicht. Herzlichen Dank für die Abdruckerlaubnis.

 

Gedichte von Anaëlle Koschnike-Nguewo

 

Die Angst vor dem Fremden

 

Die Angst macht uns schwach

Sie hält uns in einem starren Gefängnis

Weißt du nicht, dass deine Angst dich in einem Gefängnis hält?

Komm, lasst uns aufeinander zugehen

Ich erzähle dir wer ich bin

Dann wirst du merken, dass wir doch mehr gemeinsam haben

Dass ich die gleichen Emotionen wie du haben kann

Dass Ignoranz Angst erzeugt und Wissen Angst bekämpft

Dann wirst du feststellen, dass wir im Grunde nicht so unterschiedlich sind

Dass uns mehr miteinander verbindet als wir denken

Dass wir menscherzeugte Zuschreibungen und Spaltungen nicht weiterberücksichtigen sollen

Dass wenn wir endlich wissen, dass es nur eine Rasse gibt: Mensch

wir endlich das erreichen können, was Gott vorgesehen hat: ein Leben Miteinander und Füreinander in Ihm.

Anaëlle Koschnike-Nguewo

 

 

Ich weigere mich!

Ich weigere mich, die Brille der Gesellschaft zu tragen

Ich weigere mich, mich mit deren Augen zu sehen

Ich weigere mich zu glauben, dass ich eine andere Haarfarbe, Hautfarbe, Figur…haben muss, um angenommen zu werden

Ich weigere mich, den Anderen die Macht zu geben mich zu verletzen

Ich weigere mich, den Anderen über meinen Wert, meine Würde entscheiden zu lassen

Ich weigere mich, ständig beweisen zu wollen, dass ich den Klischees nicht entspreche

Ich weigere mich, mich in vorgefertigte Schubladen stecken zu lassen

Ich weigere mich, die Schwarze, die Afrikanerin genannt zu werden, wenn auf meiner Geburtsurkunde vier Namen zur Auswahl stehen: Estelle Anaëllle Diepe Nguewo

Ich weigere mich zu denken, dass ich eine andere als ich sein muss, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden

Ich weigere mich, mein Ich, meine Identität zu verlieren, weil ich der Gesellschaft gefallen möchte

Ich weigere mich, mich durch Bemerkungen kränken zu lassen

Ich weigere mich, mein Potential nicht auszuschöpfen, weil für mich in dieser Gesellschaft keine Chance besteht, die obersten Stufe der Karriereleiter zu besteigen

Ich weigere mich, mit gesenktem Haupt durch das Leben zu gehen, weil ich den Blick der anderen nicht ertragen kann

Ich weigere mich, jeden Blick negativ zu interpretieren und mich als Opfer zu sehen

Ich weigere mich, den Platz, die Rolle anzunehmen, den die anderen für mich gewählt haben

Ich weigere mich, den Stimmen in mir und um mich herum Glauben zu schenken, die mir sagen wollen, dass ich nicht gut genug bin

Ich weigere mich, mein Haus nicht gerne verlassen zu wollen, weil ich Angst vor dem Blick der anderen habe

Ich weigere mich, mein Leben auf dieser Erde nicht genießen zu können, weil ich nicht wie die anderen bin

Ich weigere mich, mich meiner Hautfarbe, meiner Herkunft, meinem Anderssein zu schämen.

Ich weigere mich, auf Hass mit Hass zu antworten.

 

Herr ich danke Dir, dass ich eine wunderbare Kreatur bin, dass Du mich als Dein Ebenbild erschaffen und einen guten Plan für mein Leben hast. Meine Würde kommt von Dir, Der mich bedingungslos liebt.

Anaëlle Koschnike-Nguewo